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Süddeutsche Zeitung – 29. Mai 1990

Kresnik, Münchner Oper, 1990

NACHHUT-GEFECHTE. DIE "TRIONFI" -AFFÄRE: LAUTER SÜNDENBÖCKE

von Roe

In der "Trionfi"-Affäre der Bayrischen Staatsoper, die dem engagierten Produktionsteam Kresnik/Helnwein den Laufpass gab und damit die geplante Festspielpremiere Anfang Juli gefährdete( siehe SZ vom 23.03), hatten sich die Herren Kresnik und Helnwein in kritischen Erwiderungen zu Wort gemeldet.

Nach einigem Zögern hat sich die Staatsoper nun nochmals geäußert, wobei sie die Vorwürfe teilweise wiederholt, ohne die Rechtfertigungen der beiden Beschuldigten genau zu wiederlegen. Es war bei den Vorbesprechungen allen Beteiligten, von denen der technischen Leitung des Hauses bis zu den mit der Ausstattung Beschäftigten offenbar klar, dass alle drei Orff- Stücke(Carmina Burana, Camina Catulli, Trionfo di Afrodite) durch ein gemeinsames Handlungskonzept verbunden werden sollten und dass diese Handlung in der Gegenwart in Alltagskleidern statt finden werde.

Also dass Kresnik erst Anfang dieses Jahres, wie die Staatsoper jetzt vorwurfsvoll anmerkt, um Überlassung eines Tonbandes mit der Orffschen Musik gebeten hat, ist für jeden, der Kresnik Arbeitsweise kennt, keine Überraschung. Er "denkt" in Bildern, choreographiert keineswegs an der Musik entlang - ein Verfahren, das vielleicht ungewohnt für denjenigen sein mag, dem verborgen blieb, wie erfolgreich Kresnik damit an anderen Häusern operiert hat.

Gottfried Helnwein zu dem neuen Vorwurf, sein Beleuchtungskonzept wäre teurer geworden, als ausgemacht, beteuert, dass von Anfang an die betroffenen Stellen des Hauses geradezu begeistert seine Konzeption angegriffen hätten und die Teuerung durch Verlängerung der Probentage zu Stande kamen, auf denen das Haus bestand. Die 70 Kostümcollagen versichert Helnwein, die er geschickt habe, und die jetzt als Kündigungsgrund angeführt werden, seien detailliert zuvor besprochen worden, wobei man sich im Klaren gewesen sei, dass das meiste entweder aus dem Fundus oder durch Einkäufe ohne große Arbeit der Kostümschneiderei hätte beschafft werden können. Beide, Helnwein und Kresnik, an deren Konzeption das Haus bis zum Schluss mit Enthusiasmus Anteil genommen habe, seien nun "in einer Art Kurzschlusshandlung vom Staatsoperndirektor abgewürgt" worden.

Das Konzept von Kresnik /Helnwein ist für die Bayrische Staatsoper offensichtlich noch nach der Trennung von ihren Urhebern attraktiv geblieben, weil - was das Haus bestätigt - der vorgesehene Tänzer Ismael Ivo für die "Trionfi"- Produktion engagiert werden soll.
Er habe dies offensichtlich abgelehnt, und das Gesamtteam Kresnik- Ivo- Helnwein- Lichtdesigner führe derzeit Verhandlungen mit einem anderen Opernhaus, wo die in München stornierte Inszenierung zu einem späteren Zeitpunkt realisiert werden soll.
Wer in München die "Trionfi"- Premiere "retten" wird, ist derzeit noch nicht beka

29.Mar.1990 Süddeutsche Zeitung Roe