helnwein archiv

Focus Magazine – 21. Mai 1994

Carl Barks Ausstellung, "Und die Ente ist Mensch geworden", 1994

COMICS: BARK BARK BARK ...

von Focus

Von wegen nur Ente! "Donaldisten" feiern 60 Jahre Donald Duck. Entenhausen-Erfinder Barks kommt nach Deutschland
Mit Verblüffung registriert Hans Joachim Neyer, Direktor des Wilhelm-Busch-Museums in Hannover, allwöchentlich an die siebentausend Besucher in der Ausstellung "Donald - Die Ente ist Mensch geworden".
Dem Schöpfer der Entenhausener Storys, Carl Barks, 93, hat der Wiener Maler Gottfried Helnwein anläßlich dieser Retrospektive einen voluminösen Bildband als Ausstellungskatalog zusammengestellt. Er preist den jahrzehntelangen Walt-Disney-Verlags-pinsler als "genialen Zeichner und Poeten, ohne den das Disneysche Mammutwerk auf tönernen Füßen stünde". Mehr noch: Mit dem menschenähnlichen Schnäbler habe Barks nichts Geringeres als "das neue Menschenbild", eine "Creatio ex nihilo" und "die Ankündigung und Ahnung einer neuen Zeit" geschaffen.

Frankfurter Allgemeine Zeitung – 4. September 1993

Buchmesse 2002

MICKYMAUS UND SPIDERMAN - Eine Betrachtung über die Entwicklung des Comic-Markts

von Andreas Platthaus

Der Versuch, die private Vorliebe für Triviales durch einen selbstgerechten Kunstanspruch zu adeln, ist allgemein verbreitet, doch nirgendwo so penetrant wie im Bereich der Comicsammler. Seit Jahren apostrophieren diverse Fachjournale und Comic-Buchhandlungen die Bilderhefte als "Neunte Kunst". Gottfried Helnwein nennt sie die einflußreichste Kunstströmung dieses Jahrhunderts, deren bedeutendste Protagonisten wie der amerikanische Zeichner Carl Barks in einem Atemzug mit Michelangelo zu nennen seien.

Penthouse, Nr.6 – 1. Juni 1993

Carl-Barks-Ausstellung, 1993

DIE SCHARFE SCHWESTER VON DAGOBERT DUCK

von Carsten Laqua

So einer wie Barks bekommt im Laufe der Jahrzehnte viele Fans. Einer seiner glühendsten Verehrer ist der Top-Maler Gottfried Helnwein. Sein Ziel: Der Kultzeichner soll eine eigene Ausstellung haben. Helnwein trug mit Unterstützung von Sammlern aus aller Welt Skizzen, Originalseiten, -cover und zehn Ölgemälde zusammen. Damit ist Carl Barks der zweite Comiczeichner nach George Remi ("Tim und Struppi"), dem eine Einzelausstellung auf Museumsebene gewidmet wird.

Saarbrücker Zeitung, Themen der Zeit – 15. Mai 1993

"Faces", 1993

PROMINENTEN-FOTOS UND IHRE GESCHICHTE

von Roland Mischke

Beim Star-Porträtisten Gottfried Helnwein bekommen uns allen bekannte Personen ganz neue Gesichter
Michael Jackson ließ nach Los Angeles bitten. Keith Richards bat er - zum Fototermin vor die Rudimente der Berliner Mauer. Norman Mailer besuchte er in seinem Haus am Meer Zum Dramatiker Heiner Müller drang er vor, als der Osten noch Feindesland war.Die betagte Hitler-Fotografin Leni Riefenstahl erzählte ihm vom Tiefseetauchen, vom "Führer" kein Wort. Der ehemalige Solidarnosc-Führer Lech Walesa war nichts als ein grinsendes, rundes, feistes, glänzendes Gesicht.
Mit dem dirty old man der amerikanischen Literaturszene, Charles Bukowski, unterhielt er sich über Bordelle im Rheinland. Der Sänger Lou Reed von Velvet Underground sprach stundenlang von Andy Warhol. Andy Warhol sagte stundenlang kein Wort.

Die Welt – 29. März 1993

Foto-Austellung in Bonn, "Faces", 1993

FOTO-AUSSTELLUNG IN BONN: "GOTTFRIED HELNWEIN FACES"

von L. Fritz Gruber

Natürlich möchte man wissen, wie Helnwein sich von anderen bedeutenden Kameraportaitisten unterscheidet. Er vermeidet die Idealisierung eines Yousuf Karsh, die Entblössung eines Richard Avedon, das kühl-komponierte grafische Arrangement eines Irving Penn. Helnweins Stil ist die freie Auswahl seiner Modelle, wobei sich jedes Bild zu einer neuen persönlichen Auseinandersetzung mit seinem Gegenüber formt. Sein Stil ist die Freiheit der Annäherung, Kein eintöniges Schema, sondern immer faszinierende Premieren.

Rhein-Zeitung – 1. März 1993

"Faces", Rheinisches Landesmuseum Bonn, 1993

WEDER KLISCHEE NOCH POSE

von Rolf Thienen

Gottfried Helnweins "Faces" im Rheinischen Landesmuseum Bonn

"Deutsche Kunst mit Photographie", Rheinisches Landesmuseum, Bonn – 30. November 1992

Deutsche Fototage, 1993

DIE 90er JAHRE

von Reinhold Mißelbeck

Die Selbstperformance findet ihren Ursprung in der Performance, beispielweise bei Ulay/Abramovic, Ulrike Rosenbach, Wolf Vostell oder den Wiener Aktionisten. Hieraus hat sich ein spezieller Ableger entwickelt, bei dem die Performance nur noch im Kopf konzipiert wird, um gleichsam Phasen daraus vor der Kamera zu stellen. Was wie Momente einer Performance wirkt, sind Posen und Situationen, die in der Summe einen Ablauf suggerieren. Jürgen Klauke, Anna und Bernhard Blume, GOTTFRIED HELNWEIN, Dieter Appelt sowie Barbara Hammann zählen unter diesen Künstlern bereits zu Klassikern. Zu den jüngsten zählen Kurt Buchwald, der sein mit politischen Aktionen verknüpftes Konzept noch zu DDR-Zeiten entwickelt hatte, Martin Pudenz mit hinterhältig sarkastischen Polaroids und Gerd Bonfert, der eine strenge, fast mystische Serie von mit Licht gezeichneten und verzeichneten Selbstportraits entwickelte.

DuMont, Buchverlag, Köln – 30. November 1992

DuMont, Buchverlag, Köln, 1993

ENDZEITSTIMMUNG - DÜSTERE BILDER IN GOLDENER ZEIT

von Gregory Fuller

Das Gewaltthema und das Thema "der als Opfer" setzten sich von Beckmanns früher Arbeit von 1907 bis zum heutigen Tag fort. Bei Bruce Naumann, Marcel Odenbach, Jeff Wall und Gottfried Helnwein wandeln sich zwar die künstlerischen Mittel radikal, nicht aber das Thema selbst.

"Wer ist Carl Barks?", Helnwein, NEFF Verlag – 30. November 1992

"Wer ist Carl Barks?", Helnwein, NEFF Verlag, 1993

VORWORT BY ROY DISNEY

von Roy Disney

Wir sind Gottfried Helnwein zu grossem Dank verpflichtet, dass er die erste bedeutende Ausstellung von Carl Barks' Kunstwerken und den damit verbundenen Katalog ermöglicht hat. Gottfried Helnwein, selbst ein anerkannter Künstler, hat der Kunstwelt mit diesem Projekt einen grossen Dienst erwiesen, indem er über 300 Arbeiten des Künstlers für dieses wirklich bedeutsame Ereignis zusammengestellt hat.

Museum Ludwig, Köln, TASCHEN – 12. Oktober 1992

Museum Ludwig, Köln, TASCHEN, 1992

FOTOGRAFIE DES 20. JAHRHUNDERTS

von Reinhold Mißelbeck, Kurator für Fotografie und Neue Medien, Museum Ludwig, Köln

Helnwein gilt als einer der wichtigsten Künstler mit politischem Engagement in Deutschland, der im Sinne konzeptioneller Kunst die Reaktion der Öffentlichkeit als Teil einer künstlerischen Arbeit begreift und für ihre Verbreitung neue Wege erschließt.